Künstlerprofil


Name

Stadt:
Genre:

Alexander Richter

Emsdetten
Roman, Kurzgeschichte, Lyrik, Satire, experimentelle Prosa, Drama, Erotik, Geschichte, Politik
Vita: Lebensweg – Fakten:
Geboren 1949 in Coswig/Anh.
seit 1953 in Bergholz-Rehbrücke bei Potsdam
1956 bis 1964 Grundschule
1964 bis 1968 Helmholtz-Gymnasium, Potsdam
1968 bis 1970 Grundwehrdienst, DDR-NVA
1970 bis 1974 Studium an der Humboldt-Universität Berlin
1974 bis 1982 Mitarbeiter des DDR-Finanzministeriums –
schriftstellerische Tätigkeit mit dem Ziel, Bücher im Westen zu
veröffentlichen
1982 bis 1985 wegen „Staatsfeindlicher Hetze“ (§ 106 des DDR-StGB)
inhaftiert (Urteil: sechs Jahre)
1985 nach Häftlingsfreikauf durch die Bundesrepublik als freier
Schriftsteller tätig
Wohnort Emsdetten.

Parteilos (von Geburt an), Mitglied im Schriftstellerverband, Mitglied
der Gewerkschaft seit 1965

Veröffentlichungen:
16 eigene Bücher.
105 Monatszeitschriften als Redakteur veröffentlicht, zahlreiche
weitere Veröffentlichungen in unterschiedlichen regionalen und
überregionalen Zeitungen und Zeitschriften.
Vorworte, Rezensionen.
Redaktionelle Betreuung, Lektorat und Herausgeber bei ca. 50
Buchprojekten anderer Autorinnen und Autorinnen.
Lebensweg – Beschreibung:
Jahrgang 1949 und damit im selben Jahr wie die frühere DDR
geboren, setzte sich auch lange Zeit umfassend mit dem in-zwischen
nicht mehr existierenden „zweiten deutschen Staat“ in seinen Büchern
auseinander. Richter bevorzugt zwar die Satire, hat aber auch ernste
Romane und geschichtlich doku-mentarische Bücher veröffentlicht.
Seinen eigenen Lebensweg beschreibt er in Büchern wie „Das
bittersüße Leben vor dem Knast“ (ausführlich in der FAZ)
rezensiert, „Helmhölt-zer sind Edelhölzer“ oder „Eine Rose für die
Deutschen“ (Potsdamer Allgemeine Zeitung). Bekannt wurde er vor
allem Anfang der neunziger Jahre durch sein Buch „Das Lindenho-tel
oder 6 Jahre Z für ein unveröffentlichtes Buch“. Darin schildert er in
kargen Sequenzen seinen elfmonatigen Auf-enthalt im Potsdamer
Stasi-Knast, im Volksmund „Lindenho-tel“ genannt. Richter ist an sich
ein „Kind der DDR“, machte Abitur, leistete Wehrdienst und studierte
an der Berliner Humboldt-Uni. Später arbeitete er beim DDR-
Finanzministerium als Prüfer für Betriebe, Kombinate und Institute.
Durch die Unzufriedenheit, die er im SED-Regime immer stärker von
allen Seiten zu spüren bekam und die er auch selbst empfand,
begann er schließlich ein umfassendes Romanmanuskript zu
schreiben, das er über mehr als vier Jahre seitenweise per Brief in den
Westen schickte. Da er je-den zweiten Tag eine Fortsetzung „lieferte“,
kam ihm das MfS bald auf die Spur, beobachtete ihn jedoch erst
lange Zeit, eher es ihn 1982 verhaftete. Er wurde wegen „Staatsfeindli-
cher Hetze“ zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt und befand sich bis
1985 im Zuchthaus Brandenburg, ehe ihn die Bun-desregierung
freikaufte.

Tätigkeit
Obwohl er nach der Wende Angebote bekam, in die neuen
Bundesländer zu gehen, blieb Richter im Westen. Er arbeitet seit 1996
als Chefredakteur der Monatszeitschrift „Freiheitsglocke“, die von der
Vereinigung der Opfer des Stalinismus, dem ältesten deutschen
Verband ehemaliger politischer Häftlinge (gegründet 1950)
herausgegeben wird, schreibt aber auch für verschiedene andere
Zeitungen und ist als Lektor und Verlagsleiter tätig. Außerhalb des
First minute Verlages, den er 1995 gründete, sind von ihm
erschienen: „Die gestohlene Himmelfahrt“ - Kurzgeschichten aus der
ddr (12 €), „Ebers-walder Spezialitäten“ (Roman, 12 €), „Die Opfer
werden die Täter sein“ - Roman einer Wendeutopie (18 €)
und „Vergesst uns nicht, wenn auch die Tage wandern und die Jahre“ -
eine Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung der Op-fer
des Stalinismus. (204 Seiten, 5 €). Veröffentlicht wurde auch der
umfangreiche authentische Roman „Zuchthaus Brandenburg“, der mit
finanzieller Unterstützung des Brandenburgischen
Bildungsministeriums entstand. Dieses Buch fand gleich nach seiner
Veröffentlichung große Resonanz in allen Medien und wird zunehmend
von Schulen und anderen Bil-dungseinrichtungen im Unterricht
verwendet. Obwohl schon 2002 erschienen, befassen sich die Medien
auch im Jahre 2006 noch damit.
Alexander Richter beschäftigt sich in seinen Büchern jedoch auch mit
anderen Themen. So erschienen in 2005 und 2006 zwei Bände mit
erotischen Geschichten: „Erdbeerzeit“ und „Das Kaffeelächeln“. In
beiden Büchern verbindet der Autor Begebenheiten und Erlebnisse von
und zwischen Menschen und führt sie dabei in die Welt der Erotik,
ohne sprachlich aus-fallend oder vulgär zu werden.
In 2004 erschien von Alexander Richter das Buchprojekt „Troia X – der
Untergang“, das gemeinsam mit Frank Dieckbreder (Münster)
entstand. Richter stellt die ursprüngliche Fassung des Homer
grundsätzlich in Frage, setzt aber, ob-schon mit Änderungen und
Ergänzungen, die Homer’schen Sagengestalten weiterhin ein. Zugleich
gibt er ihnen eine eige-ne Sprache, die abweichende Ausdrücke und
andere Begriffe beinhaltet. Sämtliche Sätze sind so konstruiert, dass
sie kein Komma benötigen. Im zweiten Teil des Buches wird die The-
matik abermals in stark abgewandelter Form behandelt, hier als
Drama, bis sich die Handlung im letzten Teil des Buches in der
Gegenwart auflöst.

Arthaus Saerbeck
Alexander Richter ist seit Anfang 2005 Mitnutzer des Arthau-ses, das
sich in der Ortsmitte der Gemeinde Saerbeck befindet. Der
Gemeinderat von Saerbeck hat hier das ehemalige Rathaus zu
günstigen Konditionen für mehrere Künstler zur Verfügung gestellt,
damit diese kreativ tätig werden können. Richter hat in seinen
Räumen bereits zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, unter
anderem in 2005 ein Sommerkulturprogramm, in dem es Lesungen,
Vorträge und kreativ gestaltende Initiativen gab. Ab September 2005
hat Richter in seinen Arthaus-Räumen eine Ausstellung über Oskar
Brüsewitz gezeigt. Brü-sewitz war in der DDR Pfarrer und hat sich 1976
aus Protest gegen das Regime öffentlich verbrannt. Die Ausstellung
fand weithin großes Interesse, nicht zuletzt konnten hier führende
Politiker aus NRW begrüßt werden. Während Richter inzwi-schen die
Weitergabe der Ausstellung an die Stadt Melle (Nie-dersachsen)
organisiert hat, bereitet er für 2006 eine weitere Ausstellung für
Saerbeck vor. Diesmal soll es um den deut-schen Schriftsteller und
Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll gehen.
Seine bisherige Zeit im Arthaus hat Alexander Richter ebenfalls
literarisch verarbeitet. Im ersten Quartal 2006 erscheint sein Buch mit
dem Titel „Saerbecker Fenster – Jahres-Impressionen“. Richter
zeichnet darin literarische Bilder von Plätzen und Menschen des Ortes
und schildert auch seine ei-genen Aktivitäten im Arthaus. Bereits vor
der Veröffentlichung gab es zahlreiche Zeitungsberichte.

Verlagsarbeit
Alexander Richter gründete 1995 in Emsdetten den first minute
Taschenbuchverlag. Dort sind inzwischen über 60 Bücher erschienen,
an denen mehr als 20 Autorinnen und Autoren aus ganz Deutschland,
darunter einige aus dem Münsterland, beteiligt waren. Etwa die Hälfte
von ihnen hat sich zu einer festen Zusammenarbeit mit dem Verlag
entschlossen. In Zusammen-arbeit mit Kommunen und Bibliotheken
aus der Region war es möglich, immer wieder einige von ihnen zu
Lesungen einzuladen. Damit hat der first minute Verlag seinen
Wirkungsbereich im gesamten deutschsprachigen Raum ausgebaut.
Er gilt als kompetent und ist immer noch bemüht, im Rahmen seiner
Möglichkeiten ausgewählten Jungautoren eine Chance zu ge-ben. Er
hat mittlerweile Emsdetten zu einem Literaturstandort gemacht, von
dem wahrscheinlich die Emsdettener am wenigsten wissen. Das
Verlagsprogramm ist offen, man findet sowohl Prosa, Lyrik, Dramen,
Reiseliteratur, wissenschaftliche Bücher, aber auch Westfälisches. Ein
Dauerthema ist Deutschland im vorigen Jahrhundert, wobei nicht nur
Bücher über die Teilung bzw. die DDR erscheinen, sondern auch über
das Drit-te Reich. Kürzlich erschien von dem Salzuflener Schriftsteller
Kurt Müller ein Buch über Schicksale von Juden, polnischen
Zwangsarbeitern (insbesondere in Ostwestfalen-Lippe) und das KZ im
Emsland,. Der renommierte ostdeutsche Autor Joachim Specht legte
dagegen einen Roman („Knalltrauma“) über die Erfindung und das
Verderben der Selbstschussanlagen SM-70 an der DDR-Staatsgrenze
vor, der in dessen Heimatstadt Dessau für (nicht nur positiven) Wirbel
sorgte.

Medienresonanz
Mehrere Bücher von Alexander Richter wurden in Fernseh- und
Rundfunksendungen vorgestellt, so zuletzt auch „Zuchthaus
Brandenburg“, über das das Kulturmagazin des ORB in einer ca. 10-
minütigen Radiosendung ausführlich berichtete. In Fernsehsendungen
wie dem Morgen- oder Mittagmagazin und in den abendlichen
Nachrichtensendungen wurde Richter in-terviewt oder auch in
Aufnahmen aus seinen Lesungen vorgestellt. Die Rezensionen seiner
Bücher erschienen in den unterschiedlichsten deutschen Zeitungen.
Von der FAZ über das PDS-Organ „Neues Deutschland“, die BILD-
Zeitung; Berliner Zeitung, MAZ (Märkische Allgemeine Zeitung)
Potsdam, Die Welt sowie selbstredend auch die überregionalen
westfäli-schen Zeitungen wurden Richters Bücher vielfach besprochen.
Auch aus der Lokalpresse ist er mit seinen Aktivitäten nicht mehr
wegzudenken. In den Regionalberichten Saerbeck/Greven/ Emsdetten
wurden allein in 2005 fast fünfzig Berichte über seine Kulturaktivitäten
veröffentlicht.
Trotz des Bezugs zu seiner neuen westfälischen Wirkungsstät-te hat
Richter die Bindung an seine Potsdamer Heimat nie ganz
aufgegeben. So reist er mehrfach jährlich zu Lesungen nach Berlin
und Brandenburg und schreibt weiterhin für die Heimatzeitung seines
einstigen Wohnortes Bergholz-Rehbrücke. Es zeigt sich, dass auch
dort Interesse an seinem weiteren Lebensweg besteht. So
veröffentlichte in 2003 der Rehbrücker „Nuthebote“ ein umfangreiches
Interview.

Zeitzeugentätigkeit
Der Lebensweg des Schriftstellers und Menschen Alexander Richter
bietet sich geradezu an, ihn auch als Zeitzeugen für Gespräche und
Vorträge einzuladen. Richter kann seine Erlebnisse, Erfahrungen und
Wertungen unkonventionell und lebensnah herüberbringen. Er
berichtet direkt und schnörkellos und greift bei Bedarf auf Auszüge
aus seinen Büchern und Zeitungsartikeln zurück. Besonders die
Schulen wissen dieses Potenzial zu schätzen. So ist Richter immer
wieder zu Gast in den Oberstufen der westfälischen oder Potsdamer
Gymnasien und Gesamtschulen oder in Vereinigungen und Gruppen
von Erwachsenen. Er vermag dabei sowohl die jungen Menschen mit
authentischen Informationen zu versorgen wie auch jenen, die aus
seiner eigenen Generation stammen, neues Wissen zu vermitteln.

Bibliographie: Biobliographie:

Saerbecker Fenster
Jahres-Impressionen
159 S., ISBN 3-932805-48-8

Femitakel
Sieben satirische Erzählungen nach der Wiedervereinigung
104 S, ISBN 3-9803959-0-1

Eine Rose für die Deutschen
Elend und Glanz nach der Übersiedlung
In 24 authentischen (West-Ost-)Berlin-Kapiteln
149 S., ISBN 3-9803959-2-8

Erdbeerzeit
Erotische Geschichten
232 S., ISBN 3-932805-55-0

Das Kaffeelächeln
Erotische Geschichten
248 S., ISBN 3-932805-66-6

Zuchthaus Brandenburg
Roman
1983 bis 1985
572 S., ISBN 3-932805-41-0

Wattepudelrollversuch
Gereimte Gemeinheiten und feine Gereimtheiten
Mit zahlreichen witzigen Illustrationen
104S., ISBN 3-9803959-6-0

Das bittersüße Leben vor dem Knast
Eine Stasi-Urlaubsgeschichte ohne Happyend
Mit Stasi-Aktendokumentation
176 S., ISBN 3-932805-08-9

Helmhöltzer sind Edelhölzer
Geschichten aus dem (un)sozialistischen Meinleben
240 S., ISBN 3-932805-17-8

Blue Tambourin
Unglaublich ehrliche Geschichten
185 S., ISBN 3-932805-28-3

Troia X
Der Untergang: Eine Neuerzählung.
Ein Drama. Vor-, Zwischen und Nachspiele.
Troia, wir. Der Anfang.
Ein notwendiges Nachwort

Eine gemeinsame Veröffentlichung von Alexander Richter und Frank
Dieckbreder
200 S., ISBN 3-932805-50-X

Die gestohlene Himmelfahrt
14 (Kurz)geschichten aus der DDR
214 S.

Eberswalder Spezialitäten
Roman
250 S.,

Das Lindenhotel oder 6 Jahre Z. für ein unveröffentlichtes Buch
Berichte über den Potsdamer Stasi-Knast, der im
Volksmund „Lindenhotel“ hieß
135 S.

Die Opfer werden die Täter sein
Roman einer Wendeutopie
240 S.

Sämtliche Bücher können unter Angabe der ISBN im Buchhandel
bezogen werden. Möglich ist auch die Direktbestellung beim Verlag.

Ausstellungen:
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